Speiseeis und Regenschirme – Zwischen leiblichen Freuden und sperrigen Accessoires

Eine Straßenbeobachtung am 28.05.2010

18.30 Uhr, Grimmaische Straße/Ecke Universitätsstraße – die Buchhandlung Lehmanns im Rücken. Interessante Aktionen und Stimmungen entfalteten sich rund um ein hellblaues Häuschen, in dem eine Blondine mit dem Charme einer Jurastudentin Softeis mit Vanille-, Schoko- und Erdbeergeschmack feilbot. "Durch die Wiesen kam hurtig Katjuscha, zu des Flusses steiler Uferwand“, der Dauerbrenner mit Ohrwurmgarantie, gespielt auf einem Schifferklavier, gestaltete die Klanglandschaft: mal von rechts kommend, dann nach links, gewissermaßen in den anderen Stereokanal wechselnd. Das Eis war sehr empfehlenswert. Diesen Eindruck schien auch ein Mann zu haben, der das Eis geradewegs aus unserer Hand lecken wollte. Ein anderer Herr posierte schmunzelnd vor der Digitalkamera seiner Frau.

Bei allem Lob muss man einräumen, dass es nicht ohne (technisch bedingte) Komplikationen zuging. Eine Absperrung um eine Öffnung im Betonboden war ein nicht unerhebliches Hindernis. Offenbar befand sich die Bühnenklappe zum unterirdischen Geschoss gerade im Bau, was streckenweise zu einem hellen Durcheinander innerhalb der Choreographie der "Fußgänger" führte – als hätte man Verkehrsströme aus Großbritannien und Deutschland übereinander gelegt.

Sehr ansehnlich und mitunter handlungstragend waren die Schirmträger. Die Leute mit kleinen Schirmen waren klar im Vorteil und mussten sich nicht mit sperrigen Schirmen herumplagen. Man konnte sich folgende Szene gut vorstellen. Frau: „Ach, lass uns den Schirm mal lieber mitnehmen. Man weiß ja nie, die haben heute noch Regen vorhergesagt!“ Mann: „Aber nicht, dass ich den dann tragen muss...“ Frau: „Nein, nein. Ich trag den dann schon!“...Gute Vorsätze in allen Ehren! Die Kunst besteht darin, unhandliche Gegenstände so cool wie möglich zu transportieren.

Beeindruckend waren darüber hinaus die geschmackvoll eingestreuten Kuriositäten: eine 30cm große, braunhaarige Puppe mit einen Lächeln, das einem das Fürchten lehrte, und roten Gummistiefeln mit weißen Punkten. Langweilig wurde es jedenfalls nicht.

Alles in Allem war es doch eine gelungene und vergnügliche Darbietung, für Groß und Klein geeignet. Schauen auch Sie mal rein, es lohnt sich.

Sarah Peglow & Maria Koch

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