I

Susanne Bohla ist heute im Bereich PR tätig. Zum damaligen Zeitpunkt arbeitete sie in der Werbeabteilung des konsument-Warenhauses. Sie berichtet unter anderem von den im Warenhaus stationierten Kampfgruppen-Mitgliedern und davon, wie das Haus gegen die Demonstration gewappnet wurde. Angeregt durch eine Kollegin, die schon an früheren Montagsdemonstrationen teilgenommen hatte, schloss sie sich mit einigen Freunden bei der entscheidenden Demonstration an. Eindrücklich schildert sie die Atmosphäre dieses Abends: das Spalier polizeilicher Hundeführer am Bahnhof, das die Demonstranten am Bahnhof passieren mussten, und den Eindruck, den das rhythmische Klatschen auf sie gemacht hat.

II.

Von unseren Ringumrundungen blieb mir im Gedächtnis, dass die zweite Gruppe einen sehr aktiven Begleiter gestellt hat, der versuchte, die Teilnehmer in ein Gespräch zu verwickeln. Außerdem erinnere ich mich gut an die Schweigensaufforderung beim Passieren der Innenstadt, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam, um die Gruppe zu konzentrieren und zur Einheit zu formen. Obwohl ich selbst eher Schwierigkeiten mit der blinden Passage zur runden Ecke hatte, prägte sie sich doch stark ein. Im ersten Durchgang wurde die Aufgabe, mit Kreide eine Spur/ Botschaft auf dem Ring/Weg zu hinterlassen, sehr gut angenommen.

III.

Das Szenenbild präsentiert ein Denkmal in Form eines Säulenstumpfes mit Plakette. Ihn umgeben ein Blumenrondell in grellen Farben und ein Kreis hoher Pappeln. Ein Weg schlingt sich um dieses Arrangement; außerdem ein Weg im Vordergrund und zwei parallele Achsen dazu im Rechtenwinkel in den Bildhintergrund strebend. Ein Streifen Park. Im Hintergrund grenzt die Landschaftsgärtnerei scharf an eine Baustelle, markiert durch einen blickeverwehrenden Bauzaun undefinierbarer Farbe. Wie Notenlinien ordnen sich die Oberleitungen in der Perspektive an. Besetzt mit schwarzen Vögeln. Rechts im Blick (mehr akustisch als optisch präsent): Bahnhof und Straßenbahnknotenpunkt. Auf- und abschwellender Lärm der Bahnen, Autos, Stimmen. Bewegung in den Bäumen und andere Geräuschequellen der Natur werden nur sichtbar. Durch die Ampel recht außerhalb des Blickfeldes, nahen die Menschen in Trauben heran und zerstreuen sich dann auf ihrem Weg in die linke Bildhälfte. Dabei zerteilt sich auch das Sprachengewirr. Deutsch, Französisch, Englisch wird vorbei getragen.

Drei Männer sehr unterschiedlichen Aussehens treten von rechts auf. Im Gehen eine Reihe bildend – wie zum Vergleich nebeneinander gestellt. Sie richten ihren Blick ins Publikum. Ein unordentlicher Schnauzer und bundgemusterter Pullover. Ein Anzug, ein Rollkoffer, eine hohe Stirn. Sehr aufrechter Gang in blauem Halbmantel. Am linken Bildrand zerstreuen sie sich und wählen jeder einen anderen der drei Ausgänge.

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