Monday Walks

Zeitzeuge

Mein Zeitzeuge heißt Reiner Tetzner und ist als freier Autor in Leipzig tätig. Er ist bei jeder Montagsdemonstration dabei gewesen, als es politisch ernster wurde, hat ihn sein Neffe, der extra aus Freiberg anreiste begleitet. Was Herr Tetzner betonte war das friedliche Demonstrieren. Da die meisten radikalen Gegner der DDR sowieso schon ausgereist waren oder ausgewiesen wurden, demonstrierten zum Großteil nur noch friedliche Demonstranten, die die DDR reformieren aber nicht abschaffen wollten. Um die friedliche Demonstration zu betonen, kam es dazu dass häufig Kerzen mitgenommen wurden. Wenn sich während der Demonstration Gewalt ankündigte, wurde der Krisenherd sofort beseitigt und Autonome abgedrängt. Außerdem empfand Herr Tetzner den mythischen Ring als sehr entscheidend, die Allegorie das System durch Umrunden des Rings umschlossen zu haben, stellte für ihn eine entscheidende Motivation für die Demonstrationen dar.

Herr Tetzner wohnte damals in der Nähe vom Clara-Park, sodass wir bei der Rekonstruktion der Route von der Ferdinand-Lassalle-Straße über die Kolonnadenstraße, den Dorotheenplatz vorbei an der Thomaskirche entlang der Grimmaischen Straße zum Augustusplatz, von wo aus wir dann den Ring einmal abliefen.

Beobachtung

Ich war am Park hinter der Oper positioniert und habe festgestellt, dass sämtliche Passanten durch den Park durchgehen, niemand aber das Stück „Ringstraße“ von der Oper zum Willy-Brandt-Platz nutzt. Dieses Stück ist vollkommen menschenleer. Man ist nur vom lärmenden Verkehr umgeben. Es entsteht nach einer Weile das Gefühl, dass man vollkommen von der Außenwelt isoliert ist, jeder Passanten biegt pünktlich mit Beginn des Parks ab und kommt nie in die Nähe des „Ringstraßeabschnitts“.


Gruß,

Franca

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